Mein Vater stammte aus ein Dorf in den Bergen der Campania, dem Hinterland von Neapel. In der Dorfmitte kreuzen sich zwei kleine Strassen, die Via Iula und die Via Kennedy.

Die erste Strasse heisst so, weil die Hälfte der Menschen, die im Dorf und in der Umgebung leben, denselben Familiennamen haben, der sich sich aus dem Lateinischen Iulius ableitet. Wieso ausgerechnet die armen Bergbauern dieser gottvergessenen Gegend den Namen eines Herrschergeschlechts, der Julier, tragen, ist nicht bekannt.

Nach Meinung des Dorfpfarrers sind sie Nachfahren römischer Soldaten, denen als Lohn für langjährige Dienste ein Stück Land im Süden zugeteilt wurde, auf dem die Krieger wieder zu Bauern wurden. Dabei scheint der Name der Sippe, in deren Dienst sie gestanden hatten, umgangssprachlichlich auf sie übergegangen zu sein, ein Zuordnungsmerkmal wie bei einer Herde.

Die Via Kennedy ist dem ersten katholischen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewidmet, aus frommer Verbundenheit, und weil viele Söhne des Dorfes nach Amerika ausgewandert und so der Armut entkommen sind. Seit der Antike hat sich am Lebensstandard hier nicht viel verändert. Andere suchten ihr Glück im Norden, in Mailand, Turin, oder jenseits der Alpen, in der Schweiz.